Gesund durch den Winter

Liebe Qi Gong- und Taiji-Interessierte

Liebe Freunde der inneren Kultivierung

Die Tage um den 7. und 8. November markieren nach dem chinesischen sogenannten Bauernkalender den Winteranfang (Lidong). Die weiteren, jeweils 15 Tage dauernden Abschnitte des Winters sind Xiaoxue (Kleiner Schnee), Daxue (Grosser Schnee), Dongzhi (Wintersonnwende), Xiaohan (Kleine Kälte) und schliesslich, Ende Januar bis Anfang Februar, Dahan (Grosse Kälte).

Im System der fünf Wandlungsphasen (Wu Xing) ist der Winter durch das Element Wasser und die Farbe Schwarzblau bestimmt, durch Rückzug und Bewahren der Kräfte in Stille und Dunkelheit. Im I Ging entspricht dem Wasser-Element das Trigramm Kan („das Abgründige“, Wasser als die dunkle, alles durchdringende, unbezwingliche Kraft, die in der Tiefe wirkt). Gemäss TCM sollte in dieser Jahreszeit den Organen Niere und Blase besondere Aufmerksamkeit zukommen. Im Huangdi Nei Jing heisst es:

Während der Wintermonate welken die Dinge, sie ziehen sich zurück, gehen nach Hause und treten in eine Phase der Ruhe ein, so wie Seen und Flüsse zufrieren und Schnee fällt. Es ist eine Zeit, in der das Yin das Yang dominiert. Deswegen solltet Ihr es vermeiden, die Yang-Energie übermässig zu beanspruchen. Zieht Euch bald zurück, und steht mit der Sonne auf, also etwas später als zu anderen Zeiten des Jahres. Vor allem solltet Ihr Eure sexuellen Begierden zügeln, als wolltet Ihr ein freudiges Geheimnis verbergen. Haltet Euch warm, meidet die Kälte, und lasst die Poren geschlossen. Vermeidet jedes Schwitzen. Kennzeichen des Winters ist das Speichern und Bewahren. Befolgt Ihr diese Prinzipien nicht, wird die Nieren-Energie in Mitleidenschaft gezogen.

(Zitiert nach Maoshing Ni: Der Gelbe Kaiser. Das Grundlagenwerk der Traditionellen Chinesischen Medizin. Frankfurt a.M. 1998.)

Übungen:

  • Aus den Ba Duan Jin (acht Brokatübungen) die Nieren-Übung Mit beiden Händen die Füsse fassen, um Hüften und Nieren zu stärken
  • Nieren-Übung aus dem Set Sechs heilende Laute
  • Meditation: Inneres Lächeln, während die Aufmerksamkeit nacheinander längere Zeit beim Huiyin (Dammpunkt), im unteren Dantian (Beckenraum unterhalb des Nabels) und im Bereich hinter dem Nabel verweilt
  • Mit Fäusten in beiden Richtungen auf den Nieren kreisen, hierauf mit flachen Händen das Kreuzbein reiben, bis sich Wärme im Lendenbereich und im Becken ausbreitet
  • Akupressur von NI 1 Yongquan (in der Mitte des vorderen Teils der Fusssohle zwischen den Ballen, an beiden Füssen)
  • Taiji Quan: Beim Üben der Form und in der Stehmeditation Zhan Zhuang immer wieder alle Anspannung in den Muskeln, in der Atmung, in Kopf, Brust und Becken los-, die Energie sinken und „es“ fliessen lassen

Ernährung:

Kohlarten, Wurzelgemüse, Kürbis, Esskastanien, Pilze, etwas mehr gesottenes und gebratenes Fleisch als zu anderen Jahreszeiten, wärmende Gewürze, Dörrfrüchte, Kernobst, Nüsse

Heilpflanzen:

Efeu (Hedera helix), Goldrute (Solidago virgaurea), Wacholder (Juniperus communis)