Gesund durch den Frühling

Liebe Qi Gong- und Taiji-Interessierte
Liebe Freunde der inneren Kultivierung

Die Tage zwischen dem 3. und 5. Februar markieren nach dem
chinesischen sogenannten Bauernkalender den Frühlingsanfang (Lichun).
Die weiteren, jeweils 15 Tage dauernden Abschnitte des Frühlings sind
Yushui (Regenwasser), Jingzhe (Erwachen der Insekten), Chunfen (Tagund-
Nacht-Gleiche), Qingming (Hell und klar) und schliesslich, Ende April
bis Anfang Mai, Guyu (Saatregen).

Im System der fünf Wandlungsphasen (Wu Xing) ist der Frühling durch
das Element Holz und die Farbe Grün bestimmt, durch die junge, frische,
auch ungestüme Vitalkraft. Im I Ging entsprechen dem Holz die
Trigramme Zhen (Donner, Yang-Aspekt) und Xun (Wind, Yin-Aspekt).
Gemäss TCM sollte in dieser Jahreszeit den Organen Leber und
Gallenblase besondere Aufmerksamkeit zukommen. Im Huangdi Nei Jing
heisst es:

Die drei Frühlingsmonate bringen neues Leben in alle Dinge der Natur. Es
ist die Zeit der Geburt. Es ist die Zeit, in der Himmel und Erde
wiedergeboren werden. Während dieser Jahreszeit ist es ratsam, sich früh
zurückzuziehen. Steht auch früh auf, macht einen Spaziergang und nehmt
die frische, stärkende Energie in Euch auf. Da der Frühling die Jahreszeit
ist, in der die kosmische Energie von neuem einsetzt und sich verjüngt,
versucht, diese Aufbruchstimmung nachzuempfinden, indem Ihr körperlich
und gefühlsmässig offen und unbelastet seid. Auf physischer Ebene ist es
förderlich, den Körper zu ertüchtigen und locker sitzende Kleidung zu
tragen. Es ist die Zeit für Dehnungsübungen, die Sehnen und Muskeln
lockern. Auf emotionaler Ebene ist es förderlich, Gleichmut zu entwickeln,
denn der Frühling ist die Jahreszeit der Leber. Schwelgt Ihr in Zorn,
Frustration, Depression, Traurigkeit oder in irgendeiner anderen Emotion,
schädigt Ihr die Leber.
(Zitiert nach Maoshing Ni: Der Gelbe Kaiser. Das Grundlagenwerk der
Traditionellen Chinesischen Medizin. Frankfurt a.M. 1998.)

Übungen:

  • Die ganze Folge der acht Brokatübungen (Ba Duan Jin) und speziell die
    Leber-Übung Die Fäuste ballen und mit den Augen funkeln
  • Ausschütteln von Armen und Beinen, beliebige weitere Dehn- und
    Lockerungsübungen
  • Leber-Übung aus dem Set Sechs heilende Laute
  • Meditation: Inneres Lächeln mit Aufmerksamkeit im Bereich Leber und
    Gallenblase, auch Verweilen bei den Augen
  • Sanfte Klopfmassage auf der rechten Seite des Oberbauchs mit der
    flachen Hand
  • Akupressur von LE 3 Taichong („Grosser Impuls“, auf dem Fussrücken
    am oberen Ende der Furche zwischen erstem und zweitem
    Mittelfussknochen, an beiden Füssen)
  • Yang-Stil-Taiji Quan nach Chu King Hung (ITCCA): 2. Teil der langen,
    dreiteiligen Hand-Soloform, speziell die sieben Kicks – Korrektur von
    Armpositionen und Handstellungen gemäss den „fünf Vitaminen“ – Qi-
    Form und Armspiralen

     

Ernährung:

Feldsalat, Bärlauch, Löwenzahn, junge Brennesseltriebe, Rucola, Spinat,
der Leber zuliebe leicht sauer, z.B. mit frischem Zitronensaft, angemacht

Heilpflanzen:

  • Löwenzahn (Taraxacum officinale, Kraut und Wurzel) bei Hepatitis,
    Gelbsucht, Gallen- wie Nierensteinen, geröteten Augen,
    Bindehautentzündung, Appetitlosigkeit, als Frühlings-Stoffwechselkur, löst
    Leber-Stau auch auf der emotionalen Ebene (Ärger, Frustration); innerlich
    als Frischpresssaft, Tee oder Tinktur
  • Schafgarbe (Achillea millefolium, Kraut) bei Spannungszuständen wie
    Bauch- und Unterleibskrämpfen, Menstruationsbeschwerden,
    Kopfschmerzen, Migräne, bei Blasenschwäche, Verdauungsbeschwerden,
    Appetitlosigkeit sowie bei depressiver Verstimmung; innerlich als
    Frischpresssaft, Tee oder Tinktur, Aufgüsse zur äusserlichen Anwendung
    (Umschläge, Sitzbäder, Bedampfungen)
  • Kurkuma (Gelbwurz, Curcuma longa, Wurzel) bei Leber- und
    Gallenblasenerkrankungen, Fett- und Eiweissstoffwechselstörungen,
    Blähungen, Reizdarm, fördert die Gallensekretion; innerlich als Gewürz,
    Tee oder Tinktur