Gesund durch den Sommer

Liebe Qi Gong- und Taiji-Interessierte
Liebe Freunde der inneren Kultivierung

Die Tage um den 5. und 6. Mai markieren nach dem chinesischen sogenannten Bauernkalender den Sommeranfang (Lixia). Die weiteren, jeweils 15 Tage dauernden Abschnitte des Sommers sind Xiaoman (Kleine Fülle), Mangzhong (Körner mit Grannen), Xiazhi (Sommersonnwende), Xiaoshu (Kleine Hitze) und schliesslich, Ende Juli bis Anfang August, Dashu (Grosse Hitze).

Im System der fünf Wandlungsphasen (Wu Xing) ist der Sommer durch das Element Feuer und die Farbe Rot bestimmt, durch die Naturkräfte in ihrer vollen Blüte, die höchste Entfaltung der Yang-Energie. Im I Ging entspricht dem Feuer-Element das Trigramm Li („das Haftende“, Feuer als die erhellende und klärende Kraft, auch im Sinne des Bewusstseins, des Geistigen). Gemäss TCM sollte in dieser Jahreszeit den Organen Herz und Dünndarm besondere Aufmerksamkeit zukommen. Im Huangdi Nei Jing heisst es:

In den drei Monaten des Sommers herrscht Überfluss an Sonnenschein und Regen. Die Energie des Himmels steigt hinab, die Energie der Erde steigt auf. Vermengen sich diese beiden Energien, findet ein Austausch zwischen Himmel und Erde statt. Das ist der Grund dafür, dass Pflanzen reifen und Tiere, Blumen und Früchte reichlich erscheinen. Zu dieser Zeit des Jahres mögt Ihr Euch etwas später zurückziehen, aber Ihr solltet immer noch früh am Morgen aufstehen. Meidet Zorn und bleibt körperlich rege, um zu verhindern, dass die Poren sich schliessen und das Qi stagniert. Ihr solltet keinem allzu intensiven Sexualleben frönen, obwohl es ein bisschen intensiver sein darf als zu anderen Jahreszeiten. Auf emotionaler Ebene ist es wichtig, fröhlich und heiter zu sein und keinen Groll zu hegen, damit die Energie frei fliessen und eine Kommunikation zwischen innen und aussen herstellen kann. So könnt Ihr vermeiden, dass im Herbst Krankheiten auftreten. (…) Schwierigkeiten im Sommer können das Herz schädigen und manifestieren sich im Herbst.

(Zitiert nach Maoshing Ni: Der Gelbe Kaiser. Das Grundlagenwerk der Traditionellen Chinesischen Medizin. Frankfurt a.M. 1998.)

Übungen

  • Öffnen und Erweitern des Brustkorbs, die 2. der „Taiji-ähnlichen Qi Gong-Übungen in achtzehn harmonischen Figuren“ (Shibashi)
  • Die 2. sowie die 5. der acht Brokatübungen (Ba Duan Jin): Den Bogen nach links und rechts spannen und auf den Adler zielen; Mit dem Kopf nicken und das Steissbein bewegen, um das Feuer des Herzens zu vertreiben
  • Herz-Übung aus dem Set Sechs heilende Laute
  • Meditation: Inneres Lächeln mit Aufmerksamkeit im Bereich des mittleren Dantian („mit dem Herzen lächeln“)
  • Sanfte Klopfmassage im Bereich des Herzens, leicht links von der Brustmitte, mit der flachen Hand
  • Dünndarm-Massage: mit übereinander gelegten Händen in kleinen Kreisen je 9- bis 12-mal im Uhr- und im Gegenuhrzeigersinn um den Bauchnabel streichen
  • Akupressur von HE 7 Shenmen („Tor des Geistes“, auf der Beugefalte des Handgelenks in einer Vertiefung vor deren ellenseitigem Ende, an beiden Händen); von REN 17 Shanzhong („Brustmitte“, auf der Mitte des Brustbeins); von REN 4 Guanyuan („Umschlossene Ursprungsenergie“, Alarmpunkt des Dünndarms, auf der vorderen Mittellinie vier Fingerbreit unterhalb des Bauchnabels)
  • Yang-Stil-Taiji Quan nach Chu King Hung (ITCCA): Partnerübungen wie Tui Shou („Schiebende Hände“, Push-hands), Yang Style Taiji Fighting Form (3-teilige Kontaktform)

Ernährung

  • Um das „Feuer des Herzens“ zu kühlen, d.h. bei Unruhe: Endivien, Radicchio, Rucola, Auberginen, Gurken, Mangold, Tomaten, Zucchetti, Erdbeeren, Johannisbeeren, Melonen, Grüntee
  • Um das „Feuer des Herzens“ anzuregen, d.h. bei Mattigkeit: grüne Bohnen, Fenchel, Kohlrabi, Lauch, Peperoni, Aprikosen, Brombeeren, Feigen, Heidelbeeren, Kirschen, Pfirsiche, Pflaumen, Rotwein, Schwarztee
     

Heilpflanzen

  • Weissdorn (Crataegus oxyacantha, Blüten und Blätter, Früchte) bei Herzinsuffizienz, Altersherz, kreislaufbedingten Schwächezuständen, Herzrhythmusstörungen, nach Herzinfarkt, zur Blutdruckregulierung; innerlich als Tee aus Blüten und Blättern, Tinktur oder Heilwein aus den Früchten
  • Herzgespann (Leonurus cardiaca, Kraut) bei nervösen Herzbeschwerden, Herzklopfen, Herzrasen, Bluthochdruck, Unruhe und Schlaflosigkeit; innerlich als Tee oder Tinktur
  • Zitronenmelisse (Melissa officinalis, Blätter) bei nervösen Herzbeschwerden, Unruhe und Schlaflosigkeit, Ängstlichkeit, Melancholie, bei Magen-Feuer und Fülle-Hitze des Dünndarms (d.h. nervösen Magen-Darm-Beschwerden); innerlich als Tee oder Tinktur, äusserlich (Einreibungen mit Melissengeist, Bäder) bei Herpesinfektionen, Gliederschmerzen, Migräne